Folge 16: Braucht es ein Illustrationsstudium um Illustrator zu sein?

In der heutigen Folge Nr. 16 gehts ums Thema Illustrations-Studium. Braucht es ein Studium um Illustrator zu sein?
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Die kurze Antwort dazu ist nein, denn diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt.
Ich selbst habe einen Bachelor Abschluss an der Zürcher Hochschule der Künste in Design mit der Vertiefung Scientific Visualisation. Dieser Studiengang hiess ursprünglich Wissenschaftliche Illustration. Für alle die noch nie von dieser Vertiefung gehört haben; ich erstelle Bilder, illustrationen, 3D viusalisierungen und auch Animationen für wissenschaftliche Bereiche her. Ich habe mich jetzt auf den Bereich Medizin fokussiert und erstelle vorallem Bildmaterial für Spitäler, Pharma-Firmen, Chirurgen und Publikationen, wie zum Beispiel Anatomie-Atlanten. Im Studium lernen wir aber neben der medizinischen Illustration auch Darstellungsarten für die Bereiche Archäologie, Zoologie und Botanik.
Vor dem Studium habe ich eine 4 jährige Lehre als Polygrafin absolviert und arbeite seit meinem Studienabschluss 2013 Teilzeit im Bereich Grafik/Polygrafie und teil-selbstädnig im Bereich der Wissenschaftlich/Medizinischen Illustration. Diese Kombination hat sich für mich sehr bewährt, da ich die Vorteile und die Sicherheit in einer Anstellung sehr schätze aber auch die Freiheiten der Selbständigkeit geniesse.
Vielleicht kann ich auch gleich noch einen kurzen Überblick geben wie das Studium aufgebaut ist bzw. aufgebaut war als ich dabei war. Das Studium geht 6 Semester also 3 Jahre. Im ersten Jahr haben wir vor allem theoretische Grundlagen des Zeichnens und Sehens gelernt. Das heisst wir haben mit dem Zeichnen von einfach Formen und dessen Perspektive begonnen und dann kompliziertere und organische Figuren.
Zudem haben wir auch schwarzweiss aquarellieren gelernt, ebenfalls mit ganz simplen Formen wie zum Beispiel einem Ei. Montags haben wir immer Theorieunterricht gehabt. Eine Vorlesung mit dem ganzen Studiengang Design und danach spezifischer auf die wissenschaftliche Illustration Theorie-Unterricht. Die restlichen 4 Tage sind während dem ganzen Studium eher praktisch zusammen mit einem Dozenten. Der Unterricht findet fast ausschliesslich an der ZhdK statt. Anders als bei Universitäten, bei denen man Vorlesungen besuchen kann und dann auch im Selbststudium arbeiten kann.
Weiter haben wir dann gelernt mit Acryl-Farben zu malen, haben Akt gezeichnet, mit Photoshop und Illustrator gearbeitet, mit Tusche Käfer unter dem Mikroskop gezeichnet und schlussendlich auch Öl gemalt und 3D-Modellieren und Animieren gelernt. Zudem hatten wir eine Studienreise bei der wir nach Holland gefahren sind und eine weitere Woche in den Bergen, wo wir plein-air, also unter freiem Himmel Öl gemalt haben.
Also ein ganz reichhaltiges Studium mit vielen Facetten und viel praktischem Inhalt.
Ich möchte das Studium keinesfalls missen und bin super dankbar konnte ich es absolvieren.
Aber jetzt zur ursprünglichen Frage; Braucht es ein Studium um als Illustrator erfolgreich arbeiten zu können?
Für mich persönlich war das Studium aus folgenden Gründen wichtig; Ich konnte sehen wie es ist wenn man 3 Jahre lang fast täglich 8h zeichnet und malt. Ich konnte mein Fachwissen von Grund auf aufbauen, ich habe Animation und 3D-Visualisieren kennen und lieben gelernt und ich habe viele liebe Freundinnen gewonnen.
Ich musste allerdings sehr bald feststellen, dass es wenige Stellen gibt und dass die Alternative Option die Selbständigkeit ist. Und da dies die Realität für diverse Studiengänge an der ZhdK ist, hätte ich mir wesentlich mehr zu Marketing, Nutzungsrecht, Kundenakquise und Steuern für Selbständige erhofft. Meiner Meinung nach müssten diese wichtigen Bereiche mindestens einen viertel des gemalten Studiums ausmachen. Zu meiner Zeit war dies höchstens 5% mit einigen wertvollen aber sehr kurzen Kursen.
Zudem muss man sich auch folgendes Bewusst werden; Das Portfolio und die Webseite ist unwahrscheinlich wichtig. Und befinden sich darin „nur“ Arbeiten aus dem Studium, ist es gerade als selbständige wissenschaftliche Illustratorin schwierig, sich in dieser sowieso kleinen Niche, von anderen ab zu heben. Zudem ist der Punkt Portfolio sowieso das absolut Wichtigste, neben persönlichen Kontakten, um an Aufträge kommen. Noch nie hat mich ein Kunde nach meinem Studium oder meiner Bachelorbescheinigung gefragt, höchstens um etwas smal-talk zu führen. Kunden möchten am Ende eine tolle Illustration sehen für ihr Geld. Denn was nutzt dem Kunden ein toller Abschluss, wenn am Ende die Illustration unbrauchbar ist?
 
Fazit dieser Folge: Ein Illustrations-Studium kann auf jedenfalls sehr wertvoll sein, um viele neue Skills zu erlernen und zu vertiefen und Kommilitonen, die die selben Interessen haben, kennen zu lernen.
Um aber als selbständiger illustrator Erfolg zuhaben braucht es allerdings noch einiges an Eigeninitive und Selbststudium um sich die Businesskills anzueignen. Dank dem Internet ist dies mittlerweile allerdings wesentlich einfacher als vor 10 Jahren.

 

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